Sicher machen sich einige MieterInnen Gedanken, ob das nächste Fahrzeug ein Elektroauto sein soll. Doch dabei kommt häufig die Frage des Ladepunktes auf. Wo soll die Batterie geladen werden? Da Lademöglichkeiten direkt an der Wohnung rar gesät sind, muss das Auto an der nächsten öffentlichen Ladesäule oder vielleicht am Arbeitsplatz geladen werden. Dabei ist es für den Ausbau der nachhaltigen Fahrzeugtechnologie wichtig, die Infrastruktur auszubauen und so eine bequeme Möglichkeit zu schaffen, das Auto Zuhause laden zu können.

Wohnungsunternehmen, die ihren MieterInnen diese Möglichkeit bieten wollen, stehen vor einer Reihe von neuen Fragen. Der folgende Leitfaden beantwortet die wichtigsten dieser Fragen. Vom ersten Gedanken bis zu einer Kosteneinschätzung und Umsetzung eines solchen Projektes.

  1. Warum braucht Elektromobilität mehr wohnungsnahe Ladesäulen? 
  2. Rechtliche Fragen die Wohnungsunternehmen beachten müssen
  3. Herkunft, Leistung und Bedarf des Stroms für Elektroautos
  4. Der ideale Standort für die Ladesäule
  5. Wissenswertes zur Installation von Ladesäulen
  6. Mit welchen Kosten muss man für Ladesäulen rechnen?
  7. Fazit: Ihr Weg zur Ladesäule am Mehrfamilienhaus

 

Warum braucht Elektromobilität mehr wohnungsnahe Ladesäulen?

BesitzerInnen eines Elektrofahrzeuges wollen ihre Fahrt möglichst mit einer vollen Batterie beginnen und nicht mit der Suche nach einer Ladesäule. Für MieterInnen gibt es jedoch noch kaum Angebote, ihr Elektroauto am Stellplatz oder im Umfeld des Wohnhauses zu laden. Künftig werden sich einige rechtliche Rahmenbedingungen für die Errichtung von Ladepunkten am Parkplatz oder am Wohnhaus ändern. Demnach ist bei Neubauten und Gebäudesanierungen mit mehr als zehn Parkplätzen eine Infrastruktur für künftige Ladesäulen durch die VermieterInnen bereitzustellen.

Diese Änderungen sind notwendig, denn die Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen steigen deutlich an. So meldete das Kraftfahrtbundesamt eine Zuwachsrate der Neuzulassungen von 75,5 Prozent bei Elektrofahrzeugen im Jahr 2019. Auch bei den Ladesäulen an öffentlichen Orten steigt die Anzahl jedes Jahr. Daran angelehnt vermeldete Statista bis Ende 2019 mehr als 28.000 normale Ladesäulen (bis 22 kW) und mehr als 4.000 Schnellladesäulen.

Infografik: So kommt der Ladesäulen-Ausbau voran | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Damit MieterInnen ihr Elektrofahrzeug auch Zuhause laden können, müssen Wohnungsunternehmen, die zukunftsfähig sein wollen, für Ladepunkt direkt an ihren Wohnungen sorgen. Aber die aufkommenden Fragen stellen eine Hürde dar, die es zu überwinden gilt.

 

Rechtliche Fragen die Wohnungsunternehmen beachten müssen

Zu Beginn der Planung stellt sich die Frage nach den rechtlichen Anforderungen für den Aufbau und Betrieb einer Ladesäule. Für die Antwort gibt es drei Faktoren, die zu beachten sind:

1. Aufstellungsort

Steht die Ladesäule im öffentlichen Raum, beispielsweise einer Straße, muss sich die Errichtung und der Betrieb an der Ladesäulenverordnung orientieren. Generell beschreibt Sie die technischen Anforderungen an verwendete Hardware sowie, dass die Ladesäule für alle potenziellen NutzerInnen zugänglich sein muss. Das heißt, jedeR kann dort das E-Auto laden. Entweder kostenlos oder mit einem Bezahlsystem. Dies legen die BetreiberInnen der Ladesäule selber fest. Wird eine Vergütung des Ladestroms angestrebt, muss es die Möglichkeit geben, ohne Authentifizierung laden zu können, z.B. mit einer Kreditkarte. In vielen Städten müssen öffentliche Ladesäulen darüber hinaus vom zuständigen Bauamt genehmigt werden.

Bei der Errichtung der Ladesäule auf dem Grundstück des Wohnungsunternehmens müssen weniger Vorgaben beachtet werden. Hier wäre ein Vorteil, dass die MieterInnen, als alleinige NutzerInnen, ihre Fahrzeuge zum gleichen Mieterstrom-Tarif wie im Haushalt laden können.

2. Geschäftsmodell der Ladesäule und der Nutzerkreis

Soll die Ladesäule nur für einen eingeschränkten Kundenkreis, beispielsweise MieterInnen vor Ort, zur Verfügung stehen, benötigen diese eine Möglichkeit zur Authentifizierung. Hier sind sogenannte Ladekarten oder Mobile Phone Apps gängig. Diese sind mit einer gewählten Bezahlmethode verknüpft und geben die Ladesäule gegen Auflegen des Smartphones frei. Insbesondere die Apps sind dabei auf ein Mobilfunknetz angewiesen.

Soll der Strom pro bezogener Menge abgerechnet werden, muss die Ladesäule und Betriebssoftware deutschem Eichrecht entsprechen. Dies besagt, dass jede geladene Kilowattstunde genau gemessen und auch an die Abrechnungssoftware weitergeleitet werden muss. In Deutschland ist es zudem nur zulässig, pro geladener Kilowattstunde abzurechnen oder sogenanntes Flatrate-Laden zu ermöglichen. Bei Flatrate-Tarifen können NutzerInnen eines Elektroautos gegen einen monatlichen oder jährlichen Pauschalbetrag unbegrenzt laden.

3. Anbindung an das Stromnetz

Die Ladesäule muss über den Stromverteilerkasten im Haus an das Niederspannungsnetz angeschlossen werden. Dementsprechend muss noch genug verfügbare freie Leistung am Hausanschlusskasten zur Verfügung stehen. Zudem muss jede Ladesäule mit einer Ladeleistung von über 12 kW der Bundesnetzagentur gemeldet werden, unabhängig dessen, welchem Nutzerkreis sie zur Verfügung steht. Der Anschluss darf dabei nur durch zertifizierte FachpartnerInnen des Netzbetreibers durchgeführt werden.

 

Herkunft, Leistung und Bedarf des Stroms für Elektroautos

Elektroautos laden Strom an den Ladesäulen, der als Drehstrom direkt vom Hausanschlusskasten zu den Ladesäulen geleitet wird. Dafür ist die Verlegung von dreiphasigen Drehstromkabeln notwendig. Moderne Ladesäulen arbeiten hier mit 11 bis 22 kW Ladeleistung, was je nach Batteriegröße des Elektroautos einer Ladezeit von zwei bis sechs Stunden entspricht. Dieser Zeitraum ist beispielsweise gut geeignet, um das Auto in der Nacht aufzuladen.

Der Strombedarf bei einer durchschnittlichen Fahrleistung von 14.000 km im Jahr, beträgt bei diesen Fahrzeugen im Schnitt 2.000 bis 4.000 kWh Strom pro Jahr.

Da Elektroautos besonders umweltfreundlich sind, wenn der Ladestrom aus nachhaltigen Energiequellen stammt, bietet sich die Kombination mit einer Photovoltaikanlage auf dem Wohngebäude an. So kann überschüssiger Solarstrom für die Elektrofahrzeuge genutzt werden, anstatt ihn in das Netz einzuspeisen. Wenn der Solarstrom im Haus als Mieterstrom angeboten wird, können NutzerInnen von Elektrofahrzeugen zum Tarif des Mieterstroms laden. Dieser Strompreis liegt mindestens zehn Prozent unter dem Angebot des örtlichen Grundversorgers und ist damit auch günstiger als an vielen öffentlichen Ladepunkten. Diese Argumente sprechen dafür, am Haus eine Ladesäule in Verbindung mit einem Mieterstrom-Angebot zu errichten.

 

Der ideale Standort für die Ladesäule

Bereits in der Planungsphase ist es sinnvoll sich Gedanken zu machen, wo eine Ladesäule errichtet werden kann. Auch wenn mit Beginn des Bauvorhabens noch keine Ladesäule gebaut werden soll, ist es gut zumindest die Infrastruktur (Leerrohr vom Hausanschlusskasten bis Parkplatz und Anschlussmöglichkeit im HA) bereits vorzubereiten. Nach dem Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG) ist die Verlegung der Leitungsinfrastruktur bei mehr als zehn Stellplätzen in Zukunft vorgeschrieben. Bei einer nachträglichen Errichtung von Ladesäulen reduzieren sich damit die Kosten und der Arbeitsaufwand.

Idealerweise sollte die Ladesäule dann an einem gut zugänglichen Parkplatz platziert werden. Um allen Sicherheitsstandards gerecht zu werden, werden Ladesäulen an Straßen besonders widerstandsfähig gebaut, während sie an privaten Parkplätzen mit einem metallenen Standfuß, ähnlich einem Verkehrsschild, aufgebaut werden. In einer Tiefgarage können die Ladesäulen dann an die Wand angeschraubt werden, so sparen sie Platz und sind vor anderen VerkehrsteilnehmerInnen geschützt.

 

Wissenswertes zur Installation von Ladesäulen

Zusätzlich zu den Ladesäulen, müssen Ladekabel zum Anschluss an die Elektrofahrzeuge, Stromkabel zum Anschluss an den Hausanschluss und elektrische Sicherungen am Hausanschluss verbaut werden. Je nach Aufstellungsort kommt noch die Kabelführung hinzu, sowie ein Leerrohr für den Außenbereich oder eine Kabelrinne mit Kabelkanal für den Innenbereich.

Wenn die Ladesäule über den Hausanschlusskasten mit der Photovoltaikanlage verbunden werden soll, wird eine Steuerung für die dynamischen Lastverteilung benötigt. Dann kann ein, ansonsten steigender, Gleichzeitigkeitsfaktor gering gehalten werden. Dies vermeidet zusätzliche Kosten für NetzbetreiberInnen.

Neben den elektrischen Anschlussarbeiten im Gebäude fallen Erdarbeiten für die Kabelverlegung und den Aufbau der Ladesäule an. Liegt bereits eine Kabelführung vor, kann das Kabel direkt durchgezogen werden und es werden weniger Arbeitsstunden benötigt.

 

Mit welchen Kosten muss man für Ladesäulen rechnen?

In diesem Abschnitt soll eine kurze Übersicht über einzelnen Kostenpunkte einer Ladesäule erfolgen. Diese teilen sich auf in Planungskosten, Hardware- und Installationskosten, sowie nachbereitende Kosten.

1.) Zu den Planungskosten zählen neben Projektplanung und der ersten Ortsbegehung auch die Beratung über Produktauswahl, die Unternehmen sich gegebenenfalls vergüten lassen. Im Schnitt belaufen sich diese auf 300 EUR pro Projekt mit ausreichend Ladepunkten für eine Hausgemeinschaft.

2.) Die Preisspanne für die Hardware der Ladesäulen ist sehr groß. Es gibt einfache Ladesäulen, die vor allem zweckdienlich sind, sowie ästhetisch ansprechende High End Produkte. Daher können die Preise zwischen 1.000 und 5.000 EUR pro Ladesäule liegen. Hinzu kommen zusätzlich einige hundert Euro für Kommunikationsgeräte wie Router, SIM Karten, Lastmanagement Steuerungen und elektrische Sicherungen, sowie ein Rundfunksteuerempfänger um dem Netzbetreiber die Fernabschaltung bei Netzproblemen zu ermöglichen.

3.) Die erworbenen Teile werden vom Elektrofachbetrieb installiert. Pro Ladesäule sollte man hier nochmals mit 1.500 EUR für den Aufbau und das Kabelverlegen bis zum Hausanschluss einplanen. Muss zusätzlich noch ein Leerrohr verlegt werden, steigen die Kosten deutlich, aufgrund von Tiefbauarbeiten. Dies ist natürlich immer projektspezifisch. Der Anschluss an den Hausanschluss durch eine Fachkraft wird dann häufig auf die Installation der Gesamtanlage gerechnet, wobei NetzbetreiberInnen hierzu Richtlinien auf den eigenen Webseiten veröffentlichen. Dies beinhaltet auch den Einbau relevanter Steuerungseinheiten und Sicherungsbauteile. Die Preise variieren regional stark.

4.) Abschließend muss die Anlage noch bei der Bundesnetzagentur angemeldet werden, wenn die Leistung pro Ladepunkt 22 kW beträgt. Den Abschluss bildet eine professionelle Einführung durch eine Fachkraft. Diese Kosten hierfür belaufen sich auf 400 EUR.

 

Fazit: Ihr Weg zur Ladesäule am Mehrfamilienhaus

Nach der Installation der Ladesäule können die MieterInnen ihre Elektroautos laden. Die Photovoltaikanlage mit Mieterstrom ergänzt das nachhaltige Angebot für die Elektromobilität. Sie ermöglicht eine sinnvolle und kostengünstige Kombination aus Stromversorgung und Mobilität für die MieterInnen. Denn auf diesem Weg lässt sich mehr Solarstrom vom Dach nutzen, mit sauberem Strom fahren und CO2 sparen.

 


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Andreas Kühl

Andreas Kühl

Erfahrener Energieblogger mit hohem Interesse die Energiewende mit innovativen Technologien und Geschäftsmodellen voranzubringen. Experte für Gebäudeenergie bei SOLARIMO mit dem Hintergrund als Dipl.-Ing. (FH) Bauphysik.

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