Künftig haben Photovoltaikanlagen auf oder an Gebäuden einen größeren Einfluss auf die energetische Beurteilung der Gebäude. Das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) bietet Planern die Möglichkeit, den geforderten Anteil der erneuerbaren Energien auch mit gebäudenah erzeugtem Strom zu decken. Damit sind künftig alle Vorschriften für die Energieeffizienz von Gebäuden unter dem Dach dieses Gebäudeenergiegesetzes.

 Das Bundeskabinett hat den Entwurf am 23.10.2019 beschlossen. Dieses Gesetz ist ein Bestandteil des Klimaschutzprogramms der Bundesregierung und dient der Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie. Wir zeigen in folgendem Abschnitt die wichtigsten Änderungen und welche Rolle die Photovoltaik darin spielt.

 

Rückblick auf Vorschriften für Energieeffizienz in Gebäuden

Die Energieeffizienz von Gebäuden hat sich in den letzten 40 Jahren stetig weiterentwickelt. Begonnen hat alles mit der Ölkrise in den späten 70er Jahren. Daraufhin wurde 1977 die erste Wärmeschutzverordnung erlassen, welche Anforderungen an den maximal zulässigen Wärmeverlust einzelner Außenbauteile wie Wand, Dach und Fenster, festgelegt hat. Bei der Novellierung 1984 änderten sich nur die Höchstwerte für den Wärmeverlust der einzelnen Bauteile.

Erst seit dem Jahr 1995 gibt es eine Bilanzierung von Wärmeverlusten- und gewinnen des gesamten Gebäudes. Von den Verlusten durch die Gebäudehülle und die Lüftung wurden die Gewinne aus solarer Einstrahlung über die Fenster, sowie die internen Gewinne abgezogen.

Erst seit 2002 spielen die Effizienz der Heizungsanlage und die Art des Energieträgers eine Rolle. Mit der Energieeinsparverordnung, kurz EnEV, kamen auch Wärmeverluste der Wärmeerzeugung und Trinkwassererwärmung, sowie die Hilfsenergie für die Anlagentechnik, zur Ermittlung des Endenergiebedarfs eines Gebäudes hinzu. Die Anforderungen in der EnEV gelten jedoch für den Primärenergiebedarf. Dieser wird über den Endenergiebedarf und einem Primärenergiefaktor für den Energieträger berechnet. Als zusätzliche Anforderung ist ein Höchstwert für den Wärmeverlust über die Gebäudehülle festgelegt.

Im Jahr 2009 wurde eine zusätzliche Vorschrift eingeführt, mit dem Ziel den Anteil erneuerbarer Energien in der Wärmeversorgung von Gebäuden zu erhöhen. Das Erneuerbare Energien Wärme-Gesetz (EEWärmeG) verpflichtet Bauherren den Wärmebedarf im Neubau anteilig mit erneuerbaren Energien zu decken. Diese Pflicht können sie z.B. mit Solarwärme, Biomasse, Geothermie oder einer höheren Effizienz des Gebäudes decken. Mit dem Einbau einer Photovoltaikanlage können sie diese Vorgabe jedoch nicht erfüllen.

 

Alle Vorschriften für energieeffiziente Gebäude in einem Gesetz

Mit dem neuen Gebäudeenergiegesetz fasst die Bundesregierung alle Vorschriften für die Energieeffizienz von Gebäuden in einem Gesetz zusammen. Dazu gehört das Energieeinsparungsgesetz (EnEG), das die rechtliche Grundlage der Energieeinsparverordnung bildet, und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz.

Das Ziel des Gebäudeenergiegesetzes ist es zum einen, die Vorschriften zu vereinfachen und zum anderen die EU-Gebäuderichtlinie zu erfüllen. Diese fordert die Einführung eines Niedrigstenergiestandards für alle Neubauten, ab 2021 für privatwirtschaftliche Gebäude und bereits seit 2019 für öffentliche Gebäude. Die Umsetzung und genaue Definition des Standards bleibt den Mitgliedsstaaten überlassen.

Das Gebäudeenergiegesetz ermöglicht einheitliche Anforderungen für die Gebäude-Energieeffizienz und für erneuerbare Energien in Gebäuden. Es soll den Primärenergiebedarf von Gebäuden durch einen hohen Wärmeschutz gering halten. Der verbleibende Energiebedarf soll zunehmend durch erneuerbare Energien gedeckt werden.

 

Anforderungen im Gebäudeenergiegesetz

Mit dem Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Nutzung erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteerzeugung in Gebäuden, so der volle Name des Gebäudeenergiegesetzes, bleiben die bestehenden Anforderungen erhalten. Dies bedeutet, dass die bisherigen Anforderung der EnEV, gültig seit 2016, hinsichtlich Jahres-Primärenergiebedarf und baulichem Wärmeschutz weiterhin gültig sein werden. Ebenso bleibt der geforderte Anteil an erneuerbaren Energien zur Deckung des Wärmebedarfs in Gebäuden, bisher definiert im Erneuerbare Energien Wärmegesetz, unverändert.

Damit definiert die Bundesregierung den aktuellen Standard für die Gebäudeenergieeffizienz als den von der EU-Gebäuderichtlinie geforderten Niedrigstenergiestandard.

 

Neue Bedeutung von gebäudenah erzeugtem Solarstrom

Der geforderte Anteil von erneuerbaren Energien zur Deckung des Wärme- und Kältebedarfs bleibt unverändert. Es gibt jedoch zwei wesentliche Neuerungen für Strom aus erneuerbaren Energien. Zum einen kann Strom aus erneuerbaren Energien, wie z.B. aus einer Photovoltaikanlage, den errechneten Jahres-Primärenergiebedarfs weiter reduzieren als noch in der EnEV. Hinzu kommt die neue Möglichkeit den Solarstrom für den geforderten Anteil von erneuerbaren Energien zu berücksichtigen.

 

Anrechnung von Solarstrom auf den Jahres-Primärenergiebedarf

Strom aus erneuerbaren Energien darf nach dem Gebäudeenergiegesetz vom errechneten Jahres-Primärenergiebedarf abgezogen werden. Dieser muss im unmittelbar räumlichen Zusammenhang zum Gebäude erzeugt werden. Der Verbrauch des Stroms muss unmittelbar nach der Erzeugung oder nach einer vorübergehenden Speicherung erfolgen. Nur die überschüssige Strommenge darf in das öffentliche Netz eingespeist werden.

Die Höhe des Abzugs vom errechneten Jahres-Primärenergiebedarfs setzt sich aus zwei Faktoren zusammen. Je Kilowatt installierter Nennleistung dürfen pauschal 150 Kilowattstunden vom errechneten Jahres-Primärenergiebedarf abgezogen werden. Beim Einsatz eines Batteriespeichers erhöht sich der Wert auf 200 kWh. Zusätzlich dürfen ab einer Anlagengröße von 0,02 Kilowatt Nennleistung je Quadratmeter Gebäudenutzfläche 70 Prozent des elektrischen Energiebedarfs der Anlagentechnik abgezogen werden. Bei Anlagen mit Batteriespeicher erhöht sich der Wert auf 100 Prozent. Der maximale Wert, der abgezogen werden darf, beträgt 20, bzw. 25 Prozent des errechneten Wertes für den Jahres-Primärenergiebedarf.

  ohne Batteriespeicher mit Batteriespeicher
Abzug vom Jahres-Primärenergiebedarf 150 kWh je kW inst. Leistung 200 kWh je kW inst. Leistung
zusätzlicher Abzug ab 0,02 kW je m² Nutzfläche 70% des elektrischen Endenergiebedarfs der Anlagentechnik 100% des elektrischen Endenergiebedarfs der Anlagentechnik
Maximaler Abzug vom Jahres-Primärenergiebedarf 20% des errechneten Jahres-Primärenergiebedarfs 25% des errechneten Jahres-Primärenergiebedarfs

 

Nutzung von Solarstrom zur Deckung des Wärme- und Kälteenergiebedarfs

Das Gebäudeenergiegesetz gibt vor, dass der Bedarf für Wärme- und Kälteenergie anteilig zu 15 Prozent durch erneuerbare Energien gedeckt werden muss. Eine Kombination von mehreren Technologien ist zulässig. Diese Forderung darf, neben anderen Technologien, auch mit Strom aus erneuerbaren Energien erfüllt werden. Bei Photovoltaikanlagen reicht für das Erreichen der 15 % Marke eine installierte Leistung von 0,02 kW pro Quadratmeter Gebäudenutzfläche.

 

Heizkessel mit Öl nach 2026 noch zulässig in Verbindung mit EE

Im Gegensatz zum Erneuerbare-Wärme-Gesetz in Baden-Württemberg enthält das Gebäudeenergiegesetz keine Pflicht zum Einsatz von erneuerbaren Energien beim Tausch einer Heizung. Nur der Einbau von Ölheizkesseln ist ab dem Jahr 2026 nur noch unter bestimmten Bedingungen zulässig. Dazu gehört, dass der Wärme- und Kältebedarf analog zu einem Neubau anteilig mit erneuerbaren Energien gedeckt wird.

Aus Gründen des Klimaschutzes wird SOLARIMO nicht an Projekten mitwirken, bei denen der Einbau einer Ölheizung durch Installation einer PV-Anlage ermöglicht wird.

 

Auswirkung des GEG auf Mieterstrom-Projekte

Eine direkte Erwähnung von Mieterstrom findet sich nicht im neuen Gebäudeenergiegesetz. Dennoch kann es sich sehr positiv auf die Entwicklung von Mieterstrom-Projekten auswirken.

Photovoltaikanlagen lassen sich jetzt als erneuerbare Energie zur Deckung des Wärme- und Kältebedarfs anrechnen. Darüber hinaus lässt sich der Jahres-Primärenergiebedarf noch mehr reduzieren durch Strom aus Photovoltaikanlagen. Dieser muss im unmittelbar räumlichen Zusammenhang zum Gebäude erzeugt werden. Zusätzlich muss der Strom vorrangig im Gebäude unmittelbar nach der Erzeugung oder über einen Stromspeicher selbst genutzt werden. Nur der überschüssige Strom darf in das öffentliche Netz eingespeist werden.

Diese Forderung nach einem lokalen Verbrauch des Stroms bedeutet im Geschosswohnungsbau, dass der erzeugte Strom an die Mieter oder Wohnungsnutzer für die Nutzung in den Haushalten als Mieterstrom verkauft werden muss.

Das Gebäudeenergiegesetz verfolgt das Ziel, den Energiebedarf zu minimieren und den restlichen Bedarf mit erneuerbaren Energien möglichst weitgehend zu decken. An der Reduzierung des Bedarfs hat sich im Vergleich zur Energieeinsparverordnung nichts verändert. Doch der Einsatz von erneuerbaren Energien ist attraktiver und unterstützt indirekt das Mieterstrom-Modell mit dem lokalen Verbrauch des Stroms aus erneuerbaren Energien.

 


 

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