Die Planung von neuen Wohngebäuden und von Sanierungen steht heute in einem Spannungsfeld zwischen Baukostenreduzierung und Einsparung von Treibhausgasemissionen. Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz müssen aber nicht im Widerspruch zueinander stehen. Es ist nur wichtig, dass Planer und Projektentwickler beide Themen im Blick haben. Was dabei zu beachten ist und wie das aussehen kann, zeigt der Projektbericht "Zukunftsfähiger Wohnungsbau im Quartier".

Dieser Bericht wurde Anfang 2019 von Dr. Burkard Schulze-Darup herausgegeben, mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und in Zusammenarbeit mit einigen Verbänden und Wohnungsunternehmen. Er diskutiert verschiedene Technologien und Mittel, um das Ziel eines klimaneutralen Gebäudebestandes bis 2050 zu erreichen.

In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf moderne Quartiersplanung mit erneuerbaren Energien. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Beitrag, den solarer Mieterstrom hier leisten kann. Dabei greifen wir auch Auszüge aus dem Projektbericht auf.

 

Betrachtung von Quartieren im Vergleich zu individuellen Gebäuden

Eine architektonische und technische Planung bezieht sich in der Regel auf einzelne Gebäude. Diese stehen jedoch immer im Kontext des Städtebaus. Daher galt es in dem Projekt die Wechselwirkungen zwischen der Objektplanung und den stadtplanerischen Chancen von Quartieren zu untersuchen.

Einzelne Gebäude können ein Quartier oder ein Stadtteil aufwerten, wenn sie den Wohnwert für die Bewohner erhöhen. Damit verbessert sich deren Identifikation und Zufriedenheit mit dem Umfeld. Auf der anderen Seite ist die städtebauliche Planung die Grundlage einer stimmigen Objektplanung. Daher lag der Fokus in diesem Forschungsprojekt auf dem Quartier, anstelle individueller Objekte.

 

Klimaschutz in der Quartiersplanung mit erneuerbaren Energien

In energetischer Hinsicht betrachtet die Effizienz der Gebäudehülle immer nur das einzelne Objekt. Im Gegensatz dazu, kann sich die Planung der Energieversorgung und der Mobilität auf ganze Quartiere und Stadtteile erstrecken. Somit spielt der Klimaschutz bei der Quartiersplanung eine wesentliche Rolle. Daraus resultieren wiederum neue Anforderungen an die Versorgung des Quartiers.

Das Forschungsvorhaben kommt zu dem Ergebnis, dass erneuerbare Energien, mit PV und Wind, der wesentliche Energieträger der Zukunft sein werden. Dadurch kann in der Planung die gesamte Versorgung mit Heizen, Warmwasser, Haushaltsstrom und Mobilität einbezogen werden. Auf diese Weise werden Gebäude und Quartiere künftig zu Energielieferanten. Sie tragen damit auch eine Mitverantwortung für die Stabilität des Stromnetzes, z.B. bei wenig Wind und geringer Sonneneinstrahlung.

Bei der Wärmeversorgung stellt sich die Frage, inwieweit sie in Quartieren künftig strombasiert oder auf komplexen Wärmenetzen beruhen wird. Durch den deutlich geringeren Energiebedarf neuer Gebäude kann einfachere, kostengünstigere und kleinteiligere Technik eingesetzt werden.

 

Bedeutung einer Energieversorgung mit erneuerbaren Energien

Ein Übergang zu einer Versorgung durch erneuerbare Energien ermöglicht es, neue Systeme in der Wärmeversorgung zu entwickeln. Der Forschungsbericht sieht hier innovative Unternehmen und Startups bereits in den Startlöchern. Es sind jedoch weitere Reduktionen der Investitionskosten notwendig. Nur so kann ein signifikanter Beitrag zu niedrigeren Wohn- und Baukosten geleistet werden.

Hocheffiziente Gebäude benötigen weniger Energie, was strombasierte Heizsysteme begünstigt. Daher empfiehlt der Projektbericht die Entwicklung kostenoptimierter Wärmepumpenlösungen, die auch wohnungsweise oder kaskadenartig einsetzbar sind.

Durch den geringen Heizenergiebedarf werden Warmwasserbereitung und Haushaltsstrom künftig an Bedeutung zunehmen. Im Quartier sieht der Bericht vor allem die Photovoltaik als primäre Energiequelle. Damit diese wirtschaftlich betrieben werden kann, nennt der Bericht wichtige Faktoren. Dazu gehören ein hoher Ertrag der PV-Anlage, eine hohe Eigennutzung und eine hohe Netzverträglichkeit. Dies bedeutet, dass der Strombedarf aus dem Netz gering ist, wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint.

 

Mieterstrom braucht einfache und rechtssichere Vorgaben

Der Projektbericht sieht das Gesetz zur Förderung von Mieterstrom nicht als eine deutliche Hilfestellung für die Integration erneuerbarer Energien. Weder im Bereich des Geschosswohnungsbaus, noch auf Quartiersebene. Dafür spricht die geringe Anzahl der bislang umgesetzten Projekte. Von Seiten der Wohnungsunternehmen kommt die Kritik, das Gesetz sei kontraproduktiv. Sie sehen noch hohe Hemmnisse in der Umsetzung von Mieterstrom-Projekten.

Vielmehr sind klare, einfache und rechtssichere Vorgaben notwendig. Diese können konstruktive Impulse für konkrete Projekte geben und quartiersbezogene, wirtschaftliche Lösungen ermöglichen.

Daher empfehlen die Autoren des Projektberichtes eine grundlegende Überarbeitung des Mieterstrom-Gesetzes. So sollten auch, analog zu den Wärmenetzen 4.0, einfache und rechtssichere Rahmenbedingungen geschaffen werden. Auch Förderungen für die Umsetzung in Quartieren müssen unterstützt werden. Darüber hinaus fordern sie auch praxisnahe und einfach anwendbare Musterlösungen für Mieterstrommodelle. Dies könnte z. B. als Bundeswettbewerb realisiert werden.

 

Mobilitätskonzepte in der Quartiersplanung

Die Mobilitätsplanung ist zentraler Bestandteil einer zukunftsfähigen Quartiers- und Gebäudeentwicklung. Dies bedeutet auch, dass integrierte, dezentrale Versorgungskonzepte für neue Antriebsarten notwendig sind, wie z.B. Ladesäulen für Elektrofahrzeuge. Hierfür sind jedoch noch geeignete Anpassungen der gesetzlichen Regelungen erforderlich.

Zu einer zukunftsfähigen Mobilitätsplanung gehören auch neue Mobilitätskonzepte. So zum Beispiel Carsharing im Quartier oder eine neue Aufteilung des öffentlichen Verkehrsraumes zugunsten von Fußgängern, Fahrradfahrer oder öffentlichen Verkehrsmitteln.

 

Ausblick auf das Gebäudeenergiegesetz und die weitere Förderung

Der Projektbericht betrachtet das geplante Gebäudeenergiegesetz (GEG) als einen sinnvollen Ansatz. Dieses verbindet EnEG, EEWärmeG und EnEV zu einem Gesetz. Dennoch sind weitere, deutliche Vereinfachungen notwendig, insbesondere für das Rechenverfahren. Nur so wird es bei Planern und Entscheidern auf mehr Verständnis treffen.

Der Bericht sieht auch die Notwendigkeit neuer Anforderungen für die Gebäudetechnik, aufgrund der künftigen Versorgung mit erneuerbaren Energien.

Im Sinne des Klimaschutzes fordert der Bericht einen neuen, zukunftsfähigen Effizienzstandard. Dieser muss ab 2021 eine wirtschaftliche Form heutiger Best-Practice-Techniken, wie den Passivhaus- oder KfW Effizienzhaus 40-Standard, abbilden. Eine zeitliche Verschiebung der am Markt verfügbaren Effizienztechnologien - als Anforderung an den Neubau - führe aber zu einer verpassten Gelegenheit. Diese kann hohe betriebs- und volkswirtschaftliche Folgekosten nach sich ziehen. Darüber hinaus können - aufgrund verpasster Klimaziele - auch Strafzahlungen an die EU hinzukommen.

Um den Übergang zu unterstützen, bzw. soziale und wirtschaftliche Härten zu vermeiden, ist weiterhin die KfW-Förderung notwendig. Darüber hinaus empfiehlt der Bericht eine komplementäre wohnungswirtschaftliche Förderung einzurichten. Diese ist nötig, um die Besonderheiten unterschiedlicher Regionen und Metropolen abbilden zu können.

Für den Gebäudebestand sollte die lange diskutierte steuerliche Förderung von Sanierungen umgesetzt werden. Des weiteren ist ein langfristiges Förderkonzept erforderlich, um die geplante Klimaneutralität im Gebäudebestand zu erreichen.

 


 

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Andreas Kuehl

Erfahrener Energieblogger mit Einsatz für Innovationen zur Energiewende und Experte für die Themen der Gebäudeenergie mit dem Hintergrund eines Bauphysikers.

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